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1500 Tage Hybridbusse bei der BOGESTRA
Bei der BOGESTRA heißt es: Hybridbusse in Serie – Aufnahme: M. Grosler
(BOGESTRA) Anfang 2008 noch als Einziger seiner Art in Nordrhein-Westfalen unterwegs, folgten dem ersten Hybridbus der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG aufgrund der guten Ergebnisse der Pilotphase bereits 2010 drei weitere Fahrzeuge mit dem klimaschonenden Antriebssystem. Anfang März 2011 kam der fünfte Hybridbus ins Haus, im Juni 2011 folgten weitere zehn Fahrzeuge. Inzwischen sind mehr als 700.000 Kilometer zurückgelegt und über eine Million Kunden befördert – Anlass genug, einmal genau hinzuschauen.
Der Vorreiter
Sich als ÖPNV-Unternehmen der Verantwortung für die Natur zu stellen und ein Blick über den Tellerrand zu wagen, waren 2008 die ersten Schritte auf dem Weg zum Einsatz des ersten serienreifen Hybridbusses Nordrhein-Westfalens. Vorangegangen waren dem Kauf knapp zwei Jahre Planung. Finanziert wurde der erste „serienreife“ Hybridbus NRWs aus Eigenmitteln des Verkehrsunternehmens – im Rahmen eines Projektes der Kooperation östliches Ruhrgebiet.
Nach zahlreichen Shuttle-Fahrten während der XIV. UN-Klimakonferenz u. a. im polnischen Posen im Dezember 2008 folgte Mitte 2009 der internationale Umweltpreis „ÖkoGlobe“ für den ersten Hybridbus. Die BOGESTRA erhielt die Auszeichnung für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes – in der Kategorie „Ökologischer Fuhrpark“.
Natürlich lässt sich eine neue Technik nicht ohne entsprechende Schulungen und einer geeigneten Infrastruktur aufbauen, und so werden bis heute alle Fahrerinnen und Fahrer des Unternehmens auf den Hybridbussen geschult, um einen optimalen Verbrauch zu erreichen. Aber auch die Werkstattmitarbeiten wurden gezielt mit der neuen Technik und dem Thema „Strom auf dem Dach“ vertraut gemacht, in der Schwerpunktwerkstatt in Gelsenkirchen entstand zusätzlich ein Dacharbeitsstand.
Die Serie
Dem ersten Fahrzeug mit einem leistungsverzweigten Antrieb des polnischen Herstellers Solaris folgten insgesamt drei weitere Gelenkbusse mit identischem Antrieb. Im Juli 2010 wurden die Busse 1061 bis 1063 ausgeliefert, im März 2011 traf das Vorserienfahrzeug 1064 mit parallelem Antrieb bei der BOGESTRA ein – der Solaris Urbino 18 DIWAhybrid kombiniert die bewährten Komponenten zweier Hersteller.
Die Technik
Beim DIWAhybrid von Voith Turbo – dem ersten in Deutschland hergestellten Hybridgetriebe – unterstützt ein asynchroner Elektromotor den Dieselmotor beim Anfahren und Beschleunigen. Während des Bremsvorgangs arbeitet die Asynchronmaschine als Generator und wirkt wie ein Primärretarder, der den DIWA-Sekundärretarder optimal ergänzt. Dies erzeugt elektrische Energie, entlastet die Betriebsbremse, reduziert den Bremsenverschleiß und die draus resultierende Feinstaubbelastung.
Die während des Bremsvorgangs zurück gewonnene Energie wird in einem nur 410 kg schweren Supercap-System gespeichert. Die fünf 125-V-Module haben eine Speicherkapazität von insgesamt 0,5 kWh. Die Supercaps sind ebenso wie der Voith-Umrichter auf dem Fahrzeugdach angeordnet. Der DIWAhybrid ist bis zu 290 kW Eingangsleistung und 1.600 Nm Eingangsdrehmoment ausgelegt. Mit 150 kW elektrischer Antriebsleistung nimmt das System dem Dieselmotor so viel Arbeit ab, dass dieser gegenüber konventionellen Dieselbussen deutlich kleiner ausgeführt werden kann. Hier kommt ein Cummins ISB6.7EV 250H zum Einsatz, der bei 6,7 l Hubraum 181 kW (246 PS) leistet und die anspruchsvolle EEV-Abgasnorm erfüllt. Durch den kleineren Dieselmotor erhöht sich das Gewicht des Busses nur um 600 kg. Der Innenraum bietet bis zu 161 Kunden Platz, insgesamt sind 51 Sitzplätze vorhanden.
Im Juni 2011 folgten dem Vorserienfahrzeug schließlich die Busse 1161 bis 1170, ebenfalls mit dem DIWAhybrid-System ausgestattet. Der Verbrauch der Fahrzeuge liegt am Durchschnitt der gesamten Unternehmensflotte gemessen bei einem Minus von rund 15%, langfristig sollten rund 20% erreicht werden.
Modellregion
Der Urbino 18 DIWAhybrid wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) entwickelt.
Das Vorserienfahrzeug sowie weitere Hybridbusse der BOGESTRA AG Busse wurde im Rahmen der Modellregion Elektromobilität Rhein-Ruhr gefördert und erprobt. Insgesamt nahmen 50 Projektpartner an der Modellregion teil und setzten rund 300 Elektrofahrzeuge sowie rund 400 Ladepunkte im Praxistest ein. Eine intensive Begleitforschung hat Messdaten und Know-how für die Fortentwicklung von Fahrzeugen und Infrastruktur geliefert. Dabei wurden nicht nur Emissionswerte erfasst, sondern etwa auch das Nutzerverhalten und Akzeptanzwerte.
Als eines von bundesweit acht Projekten wurde die Modellregion Elektromobilität Rhein-Ruhr über das Bundesverkehrsministerium gefördert, die Nationale Organisation für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) koordinierte das Programm. Die Projektphase endete im Juni 2011. Weitere Fördermittel erhielt die BOGESTRA aus einem Förderprogramm des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr.
Im Einsatz
Alle Hybridbusse sind durchschnittlich fünf Tage die Woche im Einsatz und im gesamten Betriebsgebiet der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG unterwegs – u. a. auf den Linien CE31, 378, 380, 383, 345, 390 und 368. Die Fahrzeuge sind auf die drei Busstandorte des Unternehmens aufgeteilt, so sind sechs Busse jeweils in Bochum-Weitmar und sechs in Gelsenkirchen-Ückendorf zu finden sowie drei Busse in Witten. Damit unterhält das Verkehrsunternehmen im mittleren Ruhrgebiet eine der fünf größten Hybridbusflotten Deutschlands.
Ein Novum in Deutschland gab es im August 2011. Das Verkehrsunternehmen im mittleren Ruhrgebiet nahm zum 8. August 2011 die erste reine Hybridbuslinie des Landes in Betrieb. Für vier Wochen wurden alle acht Kurse der Linie 390 zwischen Bochum Dahlhausen über Wattenscheid an Gelsenkirchen vorbei nach Herne Bf. komplett mit Hybridbussen besetzt. Damit setzt das Unternehmen auch nach Abschluss des Modellprojektes in Eigenfinanzierung auf einen noch klimafreundlicheren ÖPNV.
Die Wahl fiel auf die Buslinie 390, da der Fahrweg unterschiedliche Topografien bot und mit mehr als 50 Haltestellen zahlreiche Brems- und Startvorgänge ermöglichte. Genau die Bedingungen, unter denen die BOGESTRA die Hybridbusflotte genausten begutachten konnte. Das Ergebnis nach vier Wochen war eindeutig: die Fahrzeuge mussten aufgerüstet werden. Und so begann bereits im Oktober 2011 eine Optimierungsphase für alle Fahrzeuge ab Nummer 1064. Mit Hilfe einer neuen Software konnte eine Leistungserhöhung um 50 PS von 250 PS auf 300 PS erreicht werden.
Das Besondere Bei allen eingesetzten Bussen werden also die Vorteile des Dieselaggregats mit denen des Elektromotors kombiniert und optimal genutzt, gleichzeitig reduziert sich der Verschleiß. Während der moderne Dieselmotor zum Einsatz kommt, wenn sein optimaler Drehzahlbereich bzw. eine gewisse Geschwindigkeit erreicht wird, sorgen die Elektromotoren hauptsächlich beim Anfahren für umweltfreundliche Energie – also dann, wenn die meiste Kraft benötigt wird. Durch den besonderen Antrieb wird die Umwelt bei der Feinstaubbelastung um bis zu 90 Prozent, bei der CO2-Belastung um bis zu 30 Prozent und bei den Stickoxiden um bis zu 39 Prozent entlastet.
Die 18 Meter langen, leiseren Hybridbusse überzeugen aber nicht nur mit innovativer Technik, sondern auch mit einem einmaligen grünen Innendesign. Neben den mit Alcantarastoff bezogenen grünen Sitzpolstern (Lehne ist in weiß gehalten) ist z.B. auch die Nachtbeleuchtung grün. Dazu kommen Haltestangen aus Edelstahl.
Die inzwischen bekannte grüne Außenbeklebung aller Hybridbusse weist deutlich auf den Ressourcen schonenden Antrieb hin und davon können sich täglich die Kunden im Betriebsgebiet selbst überzeugen. Anhand von zwei Monitoren wird der Energiefluss dargestellt und das Zusammenspiel von Hybridantrieb und Dieselmotor optisch erkennbar – eben: umweltbewusst auf ganzer Linie.
Mehr als „nur“ Bus
Die BOGESTRA ist aber auch über die Grenzen des ÖPNV in Sachen Elektromobilität aktiv und so ist das Verkehrsunternehmen Gründungsmitglied des 2009 in Bochum ins Leben gerufenen kommunalen Netzwerks ruhrmobil-E zur Förderung von Elektromobilität in Deutschland.
Im Rahmen der Netzwerkarbeit gibt es sowohl einen regen Austausch zwischen Forschung, Herstellern, Betreibern, Stromanbietern und Nutzern, aber auch gemeinsame Projektideen im Rahmen einer ganzheitlichen Mobilität vor Ort mit Elektrofahrzeugen aller Art. Und so ist ruhrmobil-E dabei, wenn im Wettbewerb um die „Schaufensterregionen“ bis April 2012 in Berlin entschieden wird, in welchen Ländern die Bundesregierung Elektromobilität als Schlüsseltechnologie für die Mobilität von morgen mit insgesamt 180 Mio. Euro fördern wird.
Die Bewerbung NRWs sieht eine „Route der Elektromobilität“ quer durchs Land vor – und dabei nehmen die beiden Bochumer Projekte eine zentrale Position ein. Das „Integrierte Mobilitätskonzept Nahverkehr 2.0“ verknüpft öffentlichen Nahverkehr mit Elektromobilität und Car Sharing – und setzt dabei nutzerfreundlich „alles auf eine Karte“: Mit einem erweiterten ÖPNV-Ticket sollen auch Elektroautos und Fahrräder an Stationen im Bochumer Stadtgebiet ausgeliehen werden können. Das „Kompetenzzentrum Qualifizierung“ soll Aus- und Weiterbildungsaktivitäten in der Elektromobilität bündeln und Pilotfunktion für Nordrhein-Westfalen haben.



