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auf Schiene und Straße

Bürgerdialog um Ulms zweite Tramlinie

2012_01_SWU2 Tras­sen­be­ge­hung im Zuge des Bür­ger­dia­logs –  Auf­nahme: SWU

(SWU) Ulm will den öffent­li­chen Nah­ver­kehr aus­bauen. Der Gemein­derat der 120.000-Ein­wohner-Stadt hat im März 2011 ein­stimmig beschlossen, die Pla­nungen für eine neue Stra­ßen­bahn­linie weiter vor­an­zu­treiben. Um die Ulmer sehr früh in den Pla­nungs­pro­zess ein­zu­binden, setzen Stadt und die Stadt­werke auf einen mehr­stu­figen Bür­ger­dialog. Mit Erfolg, denn die Betei­li­gung war bis­lang rege und der Aus­tausch kon­struktiv.

Der Groß­raum Ulm wächst schnell. Dement­spre­chend sollen die Kapa­zi­täten des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs aus­ge­baut werden. Geplant ist eine zweite Stra­ßen­bahn­linie. Zusätz­lich zur Linie 1, die im Jahr 2009 erwei­tert wurde und seither von Söf­lingen im Westen nach Böfingen im Nord­osten führt, soll die neue Linie die wirt­schafts­starke und weiter wach­sende Wis­sen­schafts­stadt im Norden – der­zeit über 8000 Stu­denten, Lehr­kräfte und Beschäf­tigte – via Haupt­bahnhof mit einem großen Schul­zen­trum im Westen ver­binden. Es sollen 9,3 km Gleise ver­legt und 18 neue Hal­te­stellen gebaut werden. Gleise, Hal­te­stellen und die Erwei­te­rung des Betriebs­hofs erfor­dern Inves­ti­tionen in Höhe von rund 115 Mio. EUR. Eine Mach­bar­keits­studie, die soge­nannte „Stan­dar­di­sierte Bewer­tung“, ergab, dass der Gesamt­nutzen der neuen Linie größer ist als die damit ver­bun­denen Inves­ti­tionen. Damit ist das Pro­jekt för­de­rungs­würdig und kann von Bund und Land mit­ge­tragen werden. Das Ergebnis der Studie bewog den Gemein­derat am 30. März 2011, Stadt und Stadt­werke mit den Detail-Pla­nungen zum Bau der neuen Linie zu beauf­tragen.

Bei der Umset­zung der neuen Stra­ßen­bahn­linie setzen die Stadt Ulm und die SWU Ver­kehr auf einen umfas­senden Bür­ger­dialog. Seit Sep­tember 2011 gab es ein Reihe von Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tungen, Tras­sen­be­ge­hungen und Grup­pen­ge­sprä­chen. Im Internet ver­sorgt eine eigene Infor­ma­ti­ons­platt­form die Öffent­lich­keit mit Daten und Fakten und hält Inter­es­sierte über Ter­mine auf dem Lau­fenden. Die Dia­log­bau­steine werden breit genutzt. Bürger tau­schen sich regel­mäßig mit Experten aus und äußern ihre Anliegen und Ver­bes­se­rungs­wün­sche. „So lernen wir die Bedenken und Wün­sche der Bür­ge­rinnen und Bürger früh kennen. Vor­schläge und Anre­gungen zur neuen Stra­ßen­bahn­linie können wir auf­nehmen, prüfen und, so weit machbar, im wei­teren Pla­nungs­pro­zess berück­sich­ti­gen“, sagt Alex­ander Wetzig, Bau­bür­ger­meister der Stadt Ulm. Den Dia­log­pro­zess begleiten drei Büros: das team ewen aus Darm­stadt, das Institut für sozial-öko­lo­gi­sche For­schung (ISOE) in Frank­furt und die Agentur Signum aus Mann­heim. Für den Bür­ger­dialog hat die Stadt 100.000 EUR bereit­ge­stellt.

Bürger auf unter­schied­li­chen Wegen anspre­chen

Der Start­schuss für den Bür­ger­dialog fiel Mitte Sep­tember 2011. An einer ersten Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung nahmen mehr als 200 Inter­es­sierte teil. Alex­ander Wetzig und Ingo Wort­mann, tech­ni­scher Geschäfts­führer der Stadt­werke-Tochter SWU Ver­kehr GmbH, infor­mierten über den Pla­nungs­stand und die wei­teren Schritte. In mode­rierten Klein­gruppen und im Plenum dis­ku­tierten die Bür­ge­rinnen und Bürger ihre Fragen und Anliegen mit Ver­tre­tern der Stadt Ulm, der SWU und der zustän­digen Inge­nieur­büros. Grup­pen­ge­spräche bil­deten den nächsten Schritt im Dia­log­pro­zess. Dazu wurden im Oktober direkte Anwohner der Trasse ein­ge­laden, außerdem Bewohner anlie­gender Stadt­teile, Ange­stellte aus der Wis­sen­schafts­stadt sowie Pendler. Die meisten Fragen bezogen sich auf die Stre­cken­füh­rung, die tech­ni­sche Aus­füh­rung der Trasse sowie die Anzahl und Lage der Hal­te­stellen.

Tras­sen­be­ge­hungen fanden gute Reso­nanz

Auch vor Ort an der geplanten Trasse konnten Ver­kehrs­planer, Ver­treter der Stadt und der SWU offene Fragen klären. Gemeinsam mit Ulmer Bür­gern gingen sie im November die geplanten Stre­cken in ver­schie­denen Abschnitten ab. Die Fach­planer erläu­terten anhand von Karten, wo genau die Strecke ver­laufen soll und wo sich die Hal­te­stellen befinden werden. Die Reso­nanz bei den ins­ge­samt vier Tras­sen­be­ge­hungen war groß. Allein bei der letzten Bege­hung waren mehr als 100 Inter­es­sierte dabei. Online-Auf­tritt infor­miert rund um die neue Linie Auf der Inter­netseite www.linie2-ulm.de finden Inter­es­sierte Infor­ma­tionen zum Pro­jekt, Hin­ter­grund­be­richte, Stre­cken­pläne und aktu­elle Mel­dungen. Vor allem nutzen die Bür­ge­rinnen und Bürger die Seite aber, um Ant­worten auf ihre Fragen zu erhalten. Stadt und Stadt­werke ziehen eine posi­tive Zwi­schen­bi­lanz. Die Dia­lo­g­an­ge­bote werden von den Bür­ge­rinnen und Bür­gern sehr gut ange­nommen, der Aus­tausch ist kon­struktiv. Auf­grund der großen Reso­nanz wird der Dialog ver­stärkt. So sind ab Februar Bür­ger­werk­stätten zu meh­reren Themen ter­mi­niert, zum Bei­spiel „Linie 2 und Schul­wege“ oder „Linie 2 und Rad­ver­kehr“. Die Ergeb­nisse der Bür­ger­werk­stätten werden eben­falls in die wei­teren Pla­nungen ein­fließen.

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